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„Ausflug“ in die neue Wahlheimat

August 29, 2007

Ende Juli / Anfang August haben wir uns auf die Fähre begeben und sind über den Kanal geschippert, um uns die Stadt Portsmouth (UK) und die Umgebung (Hampshire) mal genauer anzusehen.

Karte
Auf der Fähre nach Dover

Nachdem wir uns dann einige Stunden durch den „verkehrten“ Straßenverkehr geschlagen haben, kamen wir endlich wohlbehalten am Campingplatz an, wo wir dann unser Zelt bei stürmischen Windböen aufbauten.

Die nächsten Tage verbrachten wir damit, die Stadt zu Fuß zu erkunden (mit dem Auto wollten wir uns dann doch nicht in den Stadtverkehr wagen). Ich weiss nicht, wann ich das letzte Mal so viel gelaufen bin, aber es hat sich gelohnt: Wir haben uns einen super Überblick über die Stadt verschaffen können.

Bucht = Yachthafen in Portsmouth

Blick auf die Isle of Wight

Wohnungssuche

Wir hatten uns ja das primäre Ziel gesetzt, in dieser einen Woche eine Wohnung zu finden. Wie sich heraus stellte, ist das aber schwieriger als erwartet. Ersteinmal sind Wohnungen in England sehr klein – ja fast winzig – und dazu noch extrem teuer. Für eine 2-Zimmer-Wohnung müssen wir locker mal 500 Pfund (ca. 750€) ausgeben. Zwar sind die Löhne und Gehälter auch dementsprechend höher, aber wenn man sich dort in € finanzieren muss, schluckt man ersteinmal ganz heftig.

eine typische britische Wohnhausstrasse

Zudem werden Wohnungen so gut wie nicht privat vermietet, es läuft alles über letting agents – Wohnungsvermittlungsagenturen. Die prüfen für den landlord (Vermieter) die Bonität etc. des potentiellen Mieters. Dafür muss man als eben dieser drei verschiedene Referenzen vorbringen: eine vom letzten Vermieter, eine sogenannten Charakterreferenz („Lisa ist eine verlässliche und ordentliche Person….“) und eine Referenz vom Arbeitgeber. Und das ist das Problem. Ich werde nicht arbeiten, und Sascha hat noch keinen Job. Ohne diese meiner Meinung nach wenig aussagekräftigen Referenzen geht aber ersteinmal gar nichts im Vereinten Königreich. Ohne Job keine Wohnung. Also haben wir unsere Kräfte ersteinmal in Richtung Jobsuche verschoben.

Jobsuche

Zunächst einmal führte uns die Suche nach einem Arbeitsplatz zum Arbeitsamt. Dort sagte man uns, dass im Internet Jobs ausgeschrieben wären, mehr könnte man nicht wirklich für Sascha tun. Also haben wir uns dort ein paar rausgesucht und sind weiter gezogen. Uns fiel auf, dass es mehrere anscheinend private Agenturen gibt, an deren Schaufenster Jobs aushingen. Wie wir nach Aufsuchen der dritten oder vierten dieser Agenturen allerdings herausfanden, sind das alles Zeitarbeitsfirmen, die auch permanente Jobs vermitteln, allerdings nur, wenn man bereits in Portsmouth wohnt und Kontaktdaten hat. Man würde Sascha zum Zwecke eines spontanen Vorstellungsgespräches nämlich anrufen müssen. (Für diese paar Infos sind wir alleine einen Tag durch die Gegend gerannt.) Also sind wir gleich weiter zum nächstbesten Handy-Shop und haben uns eine SIM-Karte gekauft, so dass wir zumindest eine britische Telefonnummer angeben können.

Am folgenden Tag haben wir unsere Anstrengungen dann auf umliegende Sägewerke und Tischlereien bzw. Zimmereien gelenkt. Wir haben mehrere Betriebe abgeklappert, in der Hoffnung, dass einer eine freie Stelle für den Sägewerksmeister Sascha hat. Wie sich heraus stellte, ist diese Strategie nicht die schlechteste. Sascha hat ein Jobangebot bekommen, für das er zwar zweifelsohne überqualifiziert ist, aber besser so ein Job als gar kein Job. Das einzige Problem daran war, dass der Betrieb ca. 40 Meilen außerhalb von Portsmouth liegt, und man uns erklärte, dass es in der Rush Hour eine ziemlich nervenaufreibende Sache sei, die Strecke zurück zu legen. Hinzu kommt, dass die Spritpreise (auch für Diesel) in England höher sind als in Deutschland, so dass man das Spritgeld ersteinmal wieder drin haben muss.

Resumé

Letzten Endes haben wir in der einen Woche keinen Job für Sascha finden können. In England ist sowohl Job- als auch Wohnungssuche viel spontaner. So ist beides innerhalb von einer Woche machbar – aber dazu muss man in England sein. Wir haben uns seit unserer Rückkehr sehr darum bemüht, die Jobsuche erfolgreich fortzusetzen, aber dies scheint aus der Ferne nicht möglich zu sein.

Da vor allem Sascha momentan noch von einer ganzen Reihe von Verpflichtungen hier gehalten wird, haben wir uns dazu entschieden, dass ich erst einmal alleine vorgehe und Sascha nach kommt, sobald er kann. So haben wir zumindest schon mal einen Fuß in England und ich kann vor Ort einiges erledigen. Und ich kann mich von Anfang an gut auf mein Studium dort konzentrieren.

Kurzum, ich habe mich also an den Computer gesetzt und mir ein Zimmer in einer WG gesucht – 5 Minuten zu Fuß vom Meer entfernt, zusammen mit drei britischen Jungs. In der Woche vom 17. September geht’s los! Ich bin gespannt, was mich erwartet und wie sich mein neuer Alltag und mein Leben gestalten wird. Aber jetzt heisst es erstmal, die letzten Tage hier in Bochum noch zu geniessen, zusammen mit meiner WG und meinen anderen Freunden und Familie.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

Strandpromenade

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